Jahresbestmeister Steinmetz und Steinbildhauer 2012 : Sebastian Harich

Für Sebastian Harich ist das Steinmetz- und Steinbildhauer-Handwerk der Ursprung handwerklicher Schaffenskraft. Ich liebe es aus diesem extrem harten Material neue und kreative Dinge erschaffen zu können. Der besondere Reiz liegt zudem darin, dass ich dieses Objekt nach meiner Bearbeitung für die Ewigkeit geschaffen habe schwärmt er.

Schon immer hatten Menschen den Drang danach ihren verstorbenen Angehörigen ein Denkmal zu setzen. Einmal, um den Verstorbenen eine letzte Ehre erweisen zu können, aber auch um einen Ort der Trauer schaffen zu können. „Leider ist der Tod nach wie vor ein Tabu-Thema“, äußert er sich.

Die Begeisterung für den Beruf ist in der Familie Harich ist nicht neu. Bis jetzt lassen sich drei Generationen der Familie nachvollziehen, die in diesem Gewerbe tätig waren bzw. sind. Schon Sebastian Harichs Großvater und Vater haben den Beruf ausgeübt. Es war jedoch nicht zwangsläufig klar, dass der Sohn in die Fußstapfen der Familie treten würde. Abgesehen von den üblichen Berufswünschen in der Kindheit und seinen kleinen Hilfsarbeiten im Betrieb seines Vaters, war Sebastian Harich während der Schulzeit nicht sehr motiviert. „Ich bin nie wirklich gerne zur Schule gegangen. Zudem war ich richtig faul“ sagt er selbstkritisch. Meine Einstellung änderte sich mit dem Besuch der Berufsschule. Dort habe ich Dinge gelernt, mit denen ich wirklich etwas anfangen konnte. Das fand ich ziemlich erstaunlich und hat eine hohe Motivation für weitere Höchstleistungen in mir geweckt.

Dieses Engagement hat sich für ihn gelohnt: Nach einer dreijährigen Ausbildung im Familienbetrieb schloss er seine Gesellenprüfung als Innungsbester der Bildhauer- und Steinmetz-Innung Bonn/Rhein-Sieg und Oberbergischer Kreis ab. Im Anschluss daran ging er zunächst einer vierjährigen Gesellentätigkeit nach. „Ich finde, dass man vor dem Besuch der Meisterschule zunächst einmal intensive berufliche Erfahrungen sammeln sollte. Auch wenn ich die Meisterschule sofort nach der Gesellenprüfung besuchen und mir damit auch Zeit hätte ersparen können, bleibe ich dabei: Erfahrung kann man nicht in der Meisterschule lernen, diese muss man selbst machen“, sagt er entschlossen.

Dass Sebastian Harich die richtige Entscheidung getroffen hat beweist sein Abschluss nicht nur als Meister, sondern auch als Jahresbestmeister in seinem Gewerbe. Ihm war klar, dass er es schaffen wird und hat die Meisterschule entschlossen in Tagesform absolviert. „Einerseits benötige ich den Titel, um mich im Steinmetz- und Steinbildhauer-Handwerk selbstständig machen zu können, andererseits – und das finde ich viel wichtiger – wollte ich mich selbst weiterbilden und stolz auf meine Leistung sein“, sagt er selbstbewusst.

Sein langfristiges Ziel hat er somit auch erreicht – er ist bereits in seinem geliebten Beruf in Siegburg selbstständig tätig. Mein eigener Chef zu sein, meine Ideen für meine Kunden verwirklichen zu können, alle Aufträge vom Anfang bis zum Ende betreuen und durchführen zu dürfen sind genau die Dinge, was ich machen möchte.
Das sind Dinge, die mir Spaß machen. Klar, ich muss viel Freizeit opfern, aber trotzdem lohnt sich jeder Tag meiner Selbstständigkeit sagt Sebastian Harich euphorisch. In seinen Ausführungen wird seine Leidenschaft für die Sache klar. „Ich freue mich sehr, wenn ich mit den Hinterbliebenen eines verstorbenen Angehörigen eine Grabstätte gestalten darf.“ Wichtig ist ihm bei seiner Arbeit auch Verantwortung für Mensch und Natur zu übernehmen. „Ich verwende in der Regel heimische Materialien. Auf diese Weise können Transportwege minimiert, unsere Umwelt geschont und zudem hiesige Arbeitsplätze erhalten bleiben. Außerdem achte ich sehr genau darauf, dass mein bezogener Stein Gütesiegel trägt, die anerkannten sozialen und ökologischen Standards entsprechen. Steine, die aus Indien oder China bezogen werden bergen stets das Risiko in sich, dass sie durch Kinderarbeit oder Lohnsklaverei abgebaut und bearbeitet wurden. Das toleriere ich nicht“, spricht er Klartext.

„Ich würde mich immer wieder für diesen Weg entscheiden“, sagt Sebastian Harich abschließend. Nur von den neuen Briefmarken, die im Rahmen der bundesweiten Imagekampagne des Deutschen Handwerks herausgegeben werden, hat er zu spät gehört. „Da ärgere ich mich wirklich, denn so hätte ich auch Botschafter des Handwerks werden können. Das muss ich nun verschieben, denn jetzt habe ich schon einen ordentlichen Vorrat der normalen Marken mit dem langweiligen Blümchenmuster gekauft.“

Handwerkskammer Düsseldorf